Ein Phänomen, das man unter dem Label „Globalisierung“ verbuchen kann, ist die in den letzten Jahrzehnten zunehmende Migration. Eine Unzahl von Wirtschafts- und sonstigen Wissenschaftlern hat sich zu den verschiedensten Fragestellungen der Migrationsproblematik Gedanken gemacht. Eine Sache, die auch dem gemeinen deutschen Rechtsextremisten ins Auge springt, ist die Frage nach den Auswirkungen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt. Wer kennt nicht die eingängige These:
„Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“
Als toleranter Mensch kann man ja wenigstens einmal kurz darüber nachdenken. Man könnte z.B. vermuten, dass eine migrationsinduzierte Erhöhung des Arbeitskräfteangebots, bei gleichbleibender Arbeitskräftenachfrage der inländischen Unternehmen, zu einer Verschlechterung der Verhandlungsposition der einheimischen Arbeitnehmer führt. Diese müssen fürchten, dass sie durch „billigere“ Zuwanderer ersetzt werden bzw. werden durch Zuwanderer, mit bescheideneren Lohnforderungen, ersetzt. Folgen von Zuwanderung für die Arbeitnehmerschaft wären demnach höhere Arbeitslosigkeit und niedrigere Löhne.
Das wäre sicherlich auch der Fall, wenn Zuwanderer nicht auch für zusätzliche Güternachfrage sorgen würden, perfekter Ersatz für einheimische Arbeitskräfte wären und Kapital (auch Humankapital im Sinne spezieller in Deutschland eher knapper „Skills“) mitbringen würden.
Es liegt nahe, die Arbeitsmarkteffekte von Migration auch empirisch zu untersuchen.
Auf der Seite des IZA Bonn ist diesbezüglich seit einigen Tagen ein ganz interessanter Artikel zu finden. Simonetta Longhi, Peter Nijkamp und Jaques Poot haben sich die Mühe gemacht und einmal 45 Studien, die sich mit den Auswirkungen von Immigration auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Arbeitseinkommen und Beteiligung am Arbeitsmarkt beschäftigen, ausgewertet.
Die zu Grunde liegenden empirischen Untersuchungen stammen aus den Jahren 1982 bis 2007 und untersuchen eine Vielzahl verschiedener Arbeitsmärkte mit Hilfe der unterschiedlichsten Methoden. Entgegen der oben genannten These sind die durch Migration hervorgerufenen Veränderungen der Arbeitsmarktrahmenbedingungen in den meisten Studien entweder nicht signifikant oder eher unbedeutend.
Limabravo
Verfasst von limabravo
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