Obwohl der Trend schon eine ganze Weile zu beobachten ist, fiel es am letzten Wochenende der deutschen Presse vermehrt auf, dass wohl einige Menschen auf der Erde ein Problem mit der ausreichenden Ernährung haben. Man munkelt sogar, dass sich das Problem in der nächsten Zeit verschärfen wird, da die Preise für diverse Agrarerzeugnisse gestiegen sind und vieles dafür spricht, dass dies auch so bleibt. Auslöser der Debatte war wohl der Global Monitoring Report 2008 von der Weltbank.
Das wohl deshalb, zumindest nach meinen Beobachtungen, mal wieder auch über die Entwicklungsländer diskutiert wird, die uns nicht mit mit giftigen Kinderspielzeug eindecken, finde ich gut.
Auf den ersten Blick ist auch die Reaktion der abendländischen Politik sehr nobel. Die Amis lassen 200 Mio. US-Dollar kurzfristig für das World Food Program springen und die liebe Frau Wieczoreck-Zeul macht aus ihrem bescheidenen Etat auch noch ein paar Millionen locker. Gratis gibts auch in paar gute Tips wie die Hungerleider in Zukunft besser wirtschaften sollten.
Was passiert eigentlich normalerweise, wenn man, wie geplant mit 500 Mio US-Dollar an einen Markt einkaufen geht? Großhandelsrabatt? Steigende Preise?
Wo landet eigentlich das Geld, wenn es ausgegeben ist? Bekommen es die sympathischen Kleinbauern in Somalia oder vielleicht doch eher jemand anders, der in der Lage ist das Futter in der geforderten Menge zu besorgen und in die 3./4. Welt zu verschiffen?
Gut, dass die Kohle nicht ganz verloren ist.
Das kann natürlich keine langfristige Strategie sein, deshalb hat Frau Wieczoreck-Zeul auch ein paar gute Ratschläge parat: z.B. eine ordentliche Zertifizierung, falls die Jungs im Süden auf die Idee kommen unseren guten Biosprit zu kopieren. Ich bin schon immer der Meinung gewesen, dass das deutsche Reinheitsgebot wichtiger als das Kriegsvölkerrecht ist. Ein ordentliches Consulting von Fachleuten ist natürlich auch wichtig.
Nun mal ernsthaft:
Sowohl die die EU als auch die USA leisten sich einen vollkommen überflüssigen Agrarprotektionismus. Im Falle der EU kommt noch eine teuere Umverteilungsbürokratie hinzu. Es erscheint geradezu unglaublich, dass bis vor kurzem die Stillegung von Landwirtschaftsflächen subventioniert wurde.
Das viele Entwicklungsländer nicht über einen effizienten Agrarsektor verfügen, hängt auch damit zusammen, dass die Erzeugnisse, auf Grund von Einfuhrzöllen, nicht gewinnbringend exportiert werden können. Dazu kommt, dass Agrarexporte, z.B. aus der EU, über Jahre subventioniert wurden.
Sicherlich trägt der Westen nicht die alleinige Verantwortung für alles Elend auf der Welt, jedoch hat man in der Vergangenheit nicht unbedingt Politik im Sinne der 3./4. Welt betrieben. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es, gleiche Spielregeln und Marktzugangschancen für alle Wettbewerber zu schaffen. Wenn wir schon Forderungen an die Entwicklungsländer stellen, dann sollten wir vorher unsere Hausaufgaben machen.
limabravo
P.S.: Wie lange dauert eigentlich das Scheitern einer zünftigen Doha-Runde?
Verfasst von limabravo
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