Ich habe mir mal die Zeit genommen und mir den Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit (BfA) zu Gemüte geführt. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren unter anderem auch dafür gesorgt, dass der Wähler hier kaum noch durchsieht. Es wird in verschiedene Rechtskreise (Sozialgesetzbuch II und III) unterschieden, Definitionen wurden dahingehend verändert, dass sie nicht unbedingt dem entsprechen, was man sich spontan darunter vorstellen würde, Arbeitslosengeld wird auch an Erwerbstätige gezahlt etc.
Im Folgenden präsentiere ich die aktuellen Zahlen, die dem geneigten Leser auch aus der Tagespresse bekannt sein dürften.
Arbeitslosigkeit
- Bund: 3.507.000 (-110.000 zum Februar 2008; -617.000 zum März 2007)
- West: 2.271.000 (-76.000 zum Februar 2008; -437.000 zum März 2007)
- Ost: 1.236.000 (-34.000 zum Februar 2008; -180.000 zum März 2007)
Die Zahlen sehen ja eigentlich gar nicht mal schlecht aus. Der Vergleich zum Februar ist nicht besonders aussagekräftig, da von Februar zu März ein wetterbedingter Abbau der Arbeitslosigkeit die Regel ist. Die nicht saisonbereinigte Arbeitslosenquote liegt – gemessen an etwa 42 Millionen zivilen Erwerbstätigen – bei 8,4 %.
Ein Blick auf die andere Seite der Medaille zeigt die Entwicklung der Beschäftigung:
sozialversicherungspflichtige Beschäftigte
- Bund: +610.000 gegenüber dem Vorjahr (+2.3 %)
- Ost: + 92.000 gegenüber dem Vorjahr (+2.4 %)
- West: + 518.000 gegenüber dem Vorjahr (+1.8 %)
Das sieht auch gut aus. Auch wenn die Zahlen geschätzt sind und wohl in den nächsten Monaten revidiert werden, scheint es eine deutliche Tendenz hin zu mehr Beschäftigten in Deutschland zu geben. Der Bestand an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten dürfte so etwa bei 27 Millionen liegen. Damit gemeint sind alle Personen, die verpflichtet sind, Sozialabgaben (z.B. Rentenversicherungsbeiträge) zu leisten.
Die Statistik weist weiterhin einen Bestand von 5.153.034 Personen als Bezieher von Arbeitslosengeld II aus. Das sind etwa 271.000 weniger als im März 2007 und etwa 1000 Personen mehr als im Februar 2008.
Scheinbar gibt es keinen Grund zum nörgeln. Es entwickelt sich alles prächtig, und Frau Dr. Merkel und Kollegen können sich weiterhin gegenseitig auf die Schultern klopfen. Aber ein paar Punkte fallen dann doch auf.
Was mir am meisten aufstößt, ist die Differenz zwischen der Arbeitslosenzahl und den Empfängern von Arbeitslosengeld I und II. In der Summe sind das etwa 6,272 Millionen Menschen, die nicht aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können. Diese Zahl bezieht sich lediglich auf die erwerbsfähigen Personen. Dazu kommen noch 1,93 Millionen nichterwerbsfähige Personen, davon sind 1,86 Millionen Kinder (Personen<15 Jahre), die auf Sozialgeld angewiesen sind. Wie die Zahlen zur Arbeitslosigkeit sind auch diese Zahlen rückläufig, jedoch im unteren einstelligen Bereich.
Die Differenz zwischen Leistungsempfängern und Arbeitslosen hat verschiedene Ursachen. Zum einen wird die Zahl der Arbeitslosen durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen (z.B. Qualifizierungen), Nichtberücksichtigung von Kranken etc. kleingehalten. Zum anderen ist eine größere Anzahl an Beschäftigten auf Unterstützung durch die zuständigen Stellen angewiesen.
Falls man sich tatsächlich die Mühe macht, den 72 seitigen Monatsbericht durchzuarbeiten, bekommt man einen ganz guten Überblick zur Beschäftigungslage in Deutschland. Einzelne Kennzahlen hingegen, die in der Regel ohne jede Erläuterung publiziert werden, haben für sich nur einen begrenzten Erkenntniswert.
Derzeit beziehen ca. 8,2 Millionen Menschen Leistungen aus den Bereichen Arbeitslosengeld I und II bzw. Sozialgeld. Auch wenn diese Zahl noch einige Zeit – konjunkturbedingt – rückläufig sein wird, ist zu erwarten dass mittelfristig hier keine nennenswerte Änderung eintreten wird.
limabravo