Auf Spiegel Online wird sich auch heute mit den steigenden Rohstoffpreisen beschäftigt. Die Spiegel-Experten haben auch die ultimativen Schuldigen für teure Nahrungsmittel gefunden: Terminspekulanten. Es ist zu bezweifeln, dass die Experten von der Bild Spiegel Online diese Art von Geschäft überhaupt durchschauen.
Wie funktioniert ein Termingeschäft (ohne Spekulanten)?
Eine Marktseite (z.B. ein Agrarunternehmen) verpflichtet sich zu einem Zeitpunkt (z.b. 01. Oktober 2008 ) in der Zukunft zu einer festgelegten Summe (z.B. 1000 Euro) eine bestimmte Menge eines Erzeugnisses (z.B. eine Tonne Weizen) zu liefern.
Auf der anderen Marktseite sind die Leute, die sich verpflichten die Tonne Weizen am ersten Oktober für 1000 Euro zu übernehmen. Das sind z.B. Lebensmittelkonzerne oder Großhändler. Gehandelt werden solche Kontrakte an der Börse oder außerbörslich.
Schön – und was soll das?
Die Käufer wissen, dass wieviel sie bezahlen müssen, um am Liefertermin die gewünschte Ware zu bekommen. Falls die Preise für Weizen stark ansteigt, kann es ihnen egal sein, da sie genau 1000 Euro bezahlen.
Die Verkäufer sichern sich gegen fallende Preise (z.B. bei einer guten Ernte) ab. Fällt der Weizenpreis um 50 Euro, dann können sie sich freuen, da sie , wie vereinbart, ihre 1000 Euro bekommen werden.
Außerdem können beide Parteien ihre Verpflichtungen auch an der Börse weiterverkaufen. Will der Käufer im Sommer lieber eine Tonne Mais haben, dann verkauft er seine Abnahmeverpflichtung. Statt dessen kauft er eine Abnahmeverpflichtung für eine Tonne Mais.
Die Spekulanten kommen!
Ein Spekulant am Terminmarkt kauft und verkauft Kaufkontrakte für aberwitzige Mengen an Agrarrohstoffen. Er wettet darauf, dass sich die Preise der Rohstoffe in die, von ihm prognostizierte Richtung bewegen. Er kauft zum Beispiel heute einen Weizenkontrakt und verkauft ihn morgen wieder mit Gewinn. Wenn er sich irrt, dann macht er Verlust.
Weil die Preise für börsengehandelte Nahrungsmittel ständig steigen, haben sich viele Spekulanten dazu entschlossen darauf zu wetten, dass sie das auch weiter tun. Sie kaufen Kaufkontrakte. Da sie eine Menge Geld in den Markt pumpen, steigen die Preise für solche Kontrakte an.
Irgendwann müssen die Spekulanten ihre Kontrakte wieder verkaufen, da sie die zu Grunde liegenden Güter gar nicht haben wollen. Sie müssen jemanden finden, der tatsächlich Weizen, Mais etc. braucht. Der verhandelte Preis, ist dann wieder abhängig vom Marktpreis für diese Güter zum Lieferzeitpunkt, da die Spekluanten gezwungen sind die Kontrakte loszuwerden. Wer will schon tonnenweise Schweinefleisch oder Thunfisch in seinem Büro lagern?
Kommentar
Es ist zu bezweifeln, dass Spekulanten den Marktpreis für Lebensmittel langfristig beeinflussen können. Es mag sein, dass sie kurzfristig Marktbewegungen auslösen. Langfristig bestimmt den Preis die Nachfrage nach dem physischen Gut, welches den jeweiligen Kontrakten zu Grunde liegt.
Terminspekulation, egal an welchem Markt, ist keine Lizenz zum Geld drucken. Spätestens bei der nächsten Marktkorrektur werden das einige Spekulanten zu spüren bekommen. Man erinnere sich an die schönen Börsenjahre bis 2000 am neuen Markt (auch ich hatte viele tolle Sachen im Depot) und an die harte Landung danach.
Der Begriff „Spekulant“ ist in Deutschland ziemlich negativ besetzt. Die meisten Leute vergessen, dass das Halten von Fondsanteilen, Aktien,, Sparbriefen und Lebensversicherungen etc. ebenfalls als Spekulation bezeichnet werden könnte, da der Eigner darauf wettet, dass ihm seine Ersparnisse eine positive Rendite bescheren.
Die Ursachen für die langfristig ansteigenden Nahrungsmittelpreise sind eher im Bereich der Realwirtschaft zu suchen. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigt stärker an als die Produktion. Solch eine Entwicklung führt üblicherweise zu steigenden Preisen. Kurzsichtige nationale Politikmaßnahmen wirken zusätzlich kontraproduktiv.
Für die ganz skrupellosen Spekulanten: Wer jetzt noch nicht investiert ist, der sollte es lassen. Der richtige Zeitpunkt wurde verpasst.
limabravo
Verfasst von limabravo