Die deutschen Wirtschaftsinstitute zum Mindestlohn
Der Aufruf wurde von der Mehrzahl der Leiter der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute verfasst. Die Veröffentlichung ist auch schon wieder ein paar Tage her. Der Titel lautet “Beschäftigungschancen statt Mindestlohn!”. Die Professoren mögen keinen Mindestlohn.
Wieso lehnen sie Mindestlöhne ab?
Die Hauptargumente sind:
1. Mindestlöhne seien überflüssig, da die Leistungen des ALG II ein Mindesteinkommen bereits sicherstellen.
2. Mindestlöhne (von z.B. 7,50 € ) würden Arbeit so stark verteuern, dass Arbeitsplätze im größeren Umfang abgebaut werden. Dieser Effekt würde vor allem die Arbeitnehmer betreffen, die von den Mindestlöhnen eigentlich profitieren sollten.
3. Die Festsetzung von Mindestlöhnen sei ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Freiheit der Tarifparteien, die Löhne selbst auszuhandeln.
Kommentare
1. Geht man vom Betroffenen aus, könnten die Herren richtig liegen. Es existiert bereits ein Sicherungssystem, durch die Möglichkeit, sein Einkommen durch ALG II-Leistungen aufzustocken.
Im Bereich SGB II (Hartz IV) gibt es derzeit ca. 2.4 Millionen Arbeitslose, aber über 5.1 erwerbsfähige Empfänger von Leistungen. Es verbleibt eine Differenz von 2.7 Millionen Personen. Ich gehe mal einfach davon aus (genaue Zahlen werden im BA-Monatsbericht nicht ausgewiesen), dass die Masse der Leute erwerbstätig ist.
Wie kann man begründen, dass hier im großen Stil Geschäftsmodelle subventioniert werden, die unter marktmäßigen Bedingungen keine Überlebenschance haben, da sie die notwendigen Arbeitskräfte nicht bezahlen könnten? Liberal ist das nicht. Ein Statement hierzu wäre eine Bereicherung des Textes.
2. Sie argumentieren hier entlang der Standardmodelle der Arbeitsmarkttheorie. Je höher die Löhne desto niedriger die Möglichkeit und Motivation der Unternehmer zur Beschäftigung von Arbeitnehmern. Demnach führt ein Mindestlohn oberhalb des marktmäßigen Lohns zu mehr Arbeitslosigkeit. Kann man glauben, aber eine gesamtwirtschaftliche Analyse wäre glaubwürdiger. Komisch finde ich, dass überhaupt nicht auf die Empirie eingegangen wird, außer dass man sich die Briten nicht zum Vorbild nehmen sollte.
3. Prinzipiell bin ich auch der Meinung, dass der Staat sich aus dem Geschäft der Lohnfestsetzung heraushalten sollte. Putzig finde ich, dass die am niedrigsten bezahlte Berufsgruppe ausgerechnet hier angestellt ist.
Limabravo